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Stadtentwicklung und Naturschutz darf kein Widerspruch sein

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Personen
Hajo Siemes

Mönchengladbach. Die Motorsägen waren in den letzten Tagen und Wochen nicht zu überhören: In der Stadt Mönchengladbach werden derzeit einige Parks und öffentlich Flächen umgestaltet und erneuert. Was besonders auffällt: Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen werden oft Bäume gefällt, um sogenannte Angsträume zu beseitigen und neue Planvorhaben umzusetzen – unnötig viele Bäume aus Sicht der Grünen. „Bestehende alte Bäume spielen bei den Planungen immer noch eine nur untergeordnete Rolle“, stellt Bürgermeister Hajo Siemes fest. Er hat den Eindruck, es würden zunächst Ideen und Planentwürfe entwickelt und dann erst stelle man fest, dass der bestehende Baumbestand den neuen Planungen im Wege stehe. Hintergrund: Bereits drei Parks und öffentliche Plätze wurden in den letzten Monaten neu überplant: der Platz der Republik hinter dem Gladbacher Hauptbahnhof, der Hans-Jonas-Park in Stadtmitte und der des Geroweiher-Parks.

Im Zuge der Neugestaltung des Platzes der Republik sollen mehr Freizeit- und Begegnungsmöglichkeiten geschaffen und dadurch die Aufenthaltsqualität verbessert werden. „Wenn die so genannten Angsträume beseitigt werden, meint das oft, dass Bäume und Sträucher entfernen werden“, sagt Grünen-Politiker Siemes. Der Begriff ließ die Mitglieder der Bezirksvertretung Ost hellhörig werden: Widerstände aus Reihen der Bezirksvertreter bei der Vorstellung der Pläne führten dazu, dass eine Begehung des Platzes mit Planern, Verwaltung und Politik durchgeführt wurde. „Dabei“, so Siemes, „konnten immerhin noch etwa zehn Bäume von insgesamt gut 60 zur Fällung vorgesehenen Bäume erhalten und dennoch Angsträume beseitigt werden.“ Durch die zu weit fortgeschrittene Planung hätten leider nicht noch mehr Bäume vor der Fällung bewahrt werden können. 

Personen
Lena Zingsheim

Auch im Hans-Jonas-Park sind die Arbeiten zur Neugestaltung längst im Gange, auch hier wurden großflächige Fällungen von teils gut erhaltenen alten Bäumen und wertvollen Sträuchern vorgenommen. „Bei den neuen Planungen wurden nach meinem Dafürhalten der alte Baumbestand nicht mit einbezogen, sondern es wurde vielmehr ein neuer Plan entwickelt, ohne dabei den bestehenden Baumgestand zu berücksichtigen“, sagt dazu Grünen-Fraktionssprecherin Lena Zingsheim. Die Fällungen im Hans-Jonas-Park kämen einem Kahlschlag nahe. „Es werden zwar demnächst Neuanpflanzungen vorgenommen, aber es wird viele Jahrzehnte dauern, bis der ökologische Wert wiederhergestellt ist“, stellt Zingsheim, zugleich Vorsitzende des Umweltausschusses, fest.

Mit der aktuellen Umgestaltung des Geroweiher-Parks wird nun eine weitere für das Stadtklima ökologisch wichtige Fläche neugestaltet werden. Da unter anderem die Wasserfläche des Geroweihers vergrößert werden soll, gehe die Planung von massiven Baumfällungen aus, sagt Hajo Siemes. Aus seiner Sicht ein weiteres unsinniges Vorhaben, das massiv in den Baumbestand eingreifen wird. Immerhin seien die dortigen Planungen noch nicht abschließend entschieden, sodass die Politik hier noch nachjustieren könne. Die Grünen in der Bezirksvertretung Nord hätten vor diesem Hintergrund die Initiative ergriffen und zu einer neuen Planung aufgerufen, so Siemes. Danach soll der bestehende Baumbestand in den Planungen stärker berücksichtigt und Fällungen weitgehend verhindert werden. Dazu seien weitere Gespräche unter den Planern und Politikern notwendig.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Mühlentorplatzes in Rheindahlen. „Hier sollte nach ersten Planungen ein Großteil der bestehenden Bäume gefällt werden“, erinnert Lena Zingsheim. Nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung und Aktionen der Grünen gegen die Fällungen wurde der Platz neu überplant. Ergebnis: Die Bäume wurden in die neue Planung mit einbezogen und bleiben fast alle erhalten.

„Bei allen zukünftigen Planvorhaben muss der Umweltaspekt im Vordergrund stehen. Gerade öffentliches Grün, Parks und Anlagen sind für das Stadtklima lebensnotwendig; Ökologie und Klimaschutz müssen in der Stadtplanung einen größeren Stellenwert erhalten und dürfen schon gar nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sind sich Lena Zingsheim und Hajo Siemes einig.  Die Grünen-Politiker würden es begrüßen, wenn Fördermittel nur dann noch zugesprochen werden, wenn ein Projekt klimagerecht geplant und umgesetzt wird: „Bestehende Bäume, Sträucher und öffentliches Grün müssen im Vorhinein mit in ein neues Planvorhaben integriert werden und dürfen nicht im Nachhinein einer neuen Planung unnötig zum Opfer fallen“, so Zingsheim und Siemes unisono.

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