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Wasser – ein knappes Gut in Mönchengladbach

Rheinhold Giesen

Ist Ihnen in Ihrem Bekanntenkreis schon einmal aufgefallen, wie viele Haushalte neuerdings Zweitwasserzähler nutzen, um bei der Gartenbewässerung die Abwassergebühren zu sparen? Gerade hier im Raum Mönchengladbach ist vielerorts kein Grundwasser mehr verfügbar, das man mit einer Brunnenpumpe noch erreichen könnte, um während der immer häufiger eintretenden Trockenphasen die Pflanzen und Bäume zu tränken. In den sechziger und siebziger Jahren habe ich als Kind keine künstliche Bewässerung auf den Feldern gekannt. Heute gehören die Fontänen der Beregnungsanlagen immer mehr zur Normalität.

Das für Privatgärten, Landwirtschaft und schließlich auch die Trinkwasserversorgung benötigte Wasser muss aber in der Region verfügbar sein, denn auch unsere Versorgungsunternehmen können ja nur auf Grundwasser zurückgreifen. Wenn man früher den Atomkraftgegnern vorhielt, der Strom solle dann ja wohl aus der Steckdose kommen, darf man heute fragen, ob unser Trinkwasser (das wir über den Gartenwasserzähler auch noch günstiger bekommen) denn einfach aus dem Wasserhahn kommt. Wie lange noch? Vor wenigen Tagen sah sich die Bundesministerin für Umwelt veranlasst, eine nationale Wasserstrategie für das kommende Jahr anzukündigen. Es deutet sich an, dass die erkennbar abnehmende Verfügbarkeit von Trinkwasser in Zukunft zu Konkurrenzsituationen führen wird, die dann nur durch Nutzungsverbote (kein Rasensprenger, kein Swimmingpool etc.) aufzulösen sind. Und dies geschieht – wer hätte das vor einigen Jahren gedacht – in Deutschland.

Wir haben hier im Einzugsbereich des Tagebaus Garzweiler II eine besondere Situation, da für den Kohlebergbau seit Jahrzehnten riesige Grundwassermengen abgepumpt und größtenteils als Abfall in umliegende Flüsse entsorgt werden. Wenn in den Sommermonaten Menschen, Tiere und Vegetation immer häufiger unter extremer Trockenheit und Hitze leiden und viele Oberflächengewässer nur noch sehr wenig Wasser führen, können Veranstalter von Kanutouren auf der Erft damit werben, dass der Fluss das ganze Jahr befahrbar ist. Unter anderem in der Erft geht unser für den Bergbau abgepumptes Grundwasser „den Bach herunter“.

Mit allen wertvollen Gütern, die wir kennen, verhält es sich so: auch wenn sie kostbar und lebensnotwendig sind heißt das noch lange nicht, dass wir ihnen auch einen angemessenen Preis geben. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit sauberer Luft, Trinkwasser, fruchtbaren Böden, Menschen, Tieren, Wäldern und Meeren bleibt solange aus, wie deren übermäßige Beanspruchung nichts kostet. Jeder Privathaushalt, jeder Landwirt und Unternehmer muss für den Verbrauch von Trinkwasser einen bestimmten Preis bezahlen. Für den Kohlebergbau war die Vernichtung von zur Zeit mehr als 500 Millionen Kubikmetern Grundwasser jährlich über Jahrzehnte kostenlos. Dies ist nur einer der kleineren Beiträge zur Subventionierung des vermeintlich so günstigen Kohlestroms. Im Jahre 2009 schaffte die damalige CDU/FDP-Landesregierung das erst seit wenigen Jahren auch durch den Tagebaubetreiber zu zahlende Wasserentnahmeentgelt stufenweise wieder ab, bis es 2011 mit den Stimmen von SPD, Grünen und Die Linke erneut eingeführt wurde. Aber auch dabei handelt es sich nur um 5 Cent für einen Kubikmeter Grundwasser.

Angesichts der nach wie vor bestehenden Bedrohung der Dörfer im Süden von Mönchengladbach  auf Erkelenzer Stadtgebiet habe ich immer wieder zu hören gekriegt, die Bemühungen um deren Rettung kämen zehn oder zwanzig Jahre zu spät. Und es gibt leider teilweise immer noch Vorbehalte gegen die oft jungen Menschen, die sich in Klimacamps und auf Demonstrationen für die Dörfer und einen raschen Ausstieg aus der Kohleverstromung einsetzen.

Der Kampf um die Bewahrung der Orte dauert nun schon so lange an wie es auch den Tagebau gibt. Aber zusätzlich zu dem über viele Jahre aufrecht erhaltenen lokalen Widerstand, der die immer weiter voranrückende Vernichtung von Kulturlandschaft nicht aufhalten konnte, wird seit einigen Jahren das Ausmaß der Naturzerstörung und die ganz erhebliche Mitverantwortung der Kohle für den sich vor unseren Augen dramatisch beschleunigenden Klimawandel sichtbar. Letztlich ging es immer um den Erhalt von Heimat. Wir müssen erkennen, dass es sich bei dieser bedrohten Heimat nicht nur um fünf bereits teilweise verlassene Dörfer handelt, sondern um unseren Planeten. Eine zweite Erde, die wir mit dem Namenszusatz „Neu“ versehen könnten, steht uns nirgendwo zur Verfügung.

Durch das vor nunmehr zwanzig Jahren ins Leben gerufene Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde mit der Förderung von Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung eine Entwicklung angestoßen, die zu einem damals nicht für möglich gehaltenen Anteil erneuerbarer Energie am heutigen Gesamtbedarf geführt hat. Weltweit ist durch eine Vielzahl von endgültigen Abschaltungen erstmals die Gesamtkapazität der noch in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke zurück gegangen. Die Liste der in den nächsten Jahren aus der Kohleverstromung aussteigenden Nationen wird ständig länger, und mit dem zur Zeit noch geplanten weiteren Betrieb seiner Kohlekraftwerke bis 2038 steht Deutschland zunehmend isoliert da. Nicht Idealismus oder Blauäugigkeit sondern die immer geringeren Produktionskosten der erneuerbaren Energien sind dafür verantwortlich. Und so kommt es denn zum Beispiel auch in den USA – trotz der Treueschwüre des Präsidenten für die dortige Kohleindustrie – zu einer rapiden Verdrängung der Kohle aus der Stromerzeugung, während Deutschland seit etwa zehn Jahren durch unnötig betriebene Kohlekraftwerke enorme Stromüberschüsse produziert.

Ein weiteres Festhalten an den geplanten Abbaugrenzen des Tagebaus Garzweiler II ist nach der bestehenden Datenlage absolut nicht notwendig. Überdies spricht sich etwa auch der Bundesverband der deutschen Industrie im deutlichen Unternehmensinteresse für eine zügige Energiewende aus. Unsere Chancen auf dem Weltmarkt können nicht auf einer archaischen Form der Stromerzeugung basieren, sondern auf der „Kompetenz…, ein komplexes Energiesystem der Zukunft sicher zu beherrschen“ (BDI).

In den letzten Jahren habe ich viele engagierte Leute getroffen, die sich für die Beendigung des Kohletagebaus einsetzen. Ich habe mit Studenten gesprochen, die das Klimacamp besucht haben und sich berechtigte Sorgen um ihre Zukunft machen, und war zutiefst berührt von der Ernsthaftigkeit dieser jungen Menschen. Es ist an der Zeit, unsere Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkeln wahrzunehmen und unser Handeln danach auszurichten.

Wenn auch sie einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle fordern, wenn auch Sie der Meinung sind, die Großstadt Mönchengladbach kann die besonders im Stadtteil West noch vorhandenen  fruchtbaren Ackerböden und sein wertvolles Grundwasser besser nutzen, als es durch RWE zerstören zu lassen, dann sehen Sie sich die Wahlprogramme der Bürgermeisterkandidaten und der Parteien zur anstehenden Kommunalwahl an. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen:  Mit Ihrer Stimme für den Erhalt unserer Heimat. Bitte nutzen Sie Ihre Stimme bei der anstehenden Kommunalwahl, um verantwortungsvolle Politik zu unterstützen.

Reinhard Noffke – Grüne Stadtteilgruppe West

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