Wie Rechtsextreme die junge Generation stigmatisieren

Die AfD stellt mit einer Anfrage Kinder und Jugendliche an Mönchengladbachs Schulen unter Generalverdacht. Viel besser wäre es dagegen, die Prävention zu stärken, sagen die Grünen.

Mönchengladbach. Sachlich geht anders: Die AfD-Ratsfraktion versucht mit einer Anfrage an die Verwaltung, die Zusammensetzung der Schülerschaft an den örtlichen Schulen mit Gewaltvorfällen zu verknüpfen („Anfrage zu Schülerzusammensetzung und Gewaltvorfällen an städtischen Schulen in Mönchengladbach“). Die Grünen Mönchengladbach weisen den mit der Anfrage unterstellten Zusammenhang entschieden zurück.

„Die AfD stellt eine Kausalität zwischen Zuwanderung und Gewalt in den Raum, die durch wissenschaftliche Studien und offizielle Statistiken nicht gedeckt, aber sehr wohl geeignet ist, Schülerinnen und Schüler zu stigmatisieren. Wer Migration und Gewalt pauschal miteinander verknüpft, betreibt keine sachliche Bildungspolitik, sondern schürt Misstrauen und Vorurteile“, erklärt Tobias Reckeweg, schulpolitischer Sprecher der Mönchengladbacher Grünen. „Diese Form der polemischen Beeinflussung, mit der man nur Emotionen schüren will, hilft weder den Schulen noch der Sicherheit – und schon gar nicht den Kindern.“

Die Forschungslage ist eindeutig: Gewalt an Schulen lässt sich nicht durch Herkunft erklären. Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, der Kultusministerkonferenz sowie die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigen seit Jahren, dass schulische Gewalt nicht mit Migration an sich, sondern vor allem mit sozialen Faktoren zusammenhängt – etwa Armut, Bildungsbenachteiligung, fehlenden Unterstützungsstrukturen, belasteten Familienlagen oder unzureichender sozialpädagogischer Betreuung.  Auch bundesweite Auswertungen zur Jugendkriminalität belegen: Entscheidend sind Bildungschancen, soziale Integration und Präventionsangebote – nicht Nationalität oder Migrationserfahrung. Wo Schulen gut ausgestattet sind, Schulsozialarbeit vorhanden ist und stabile Lernumgebungen bestehen, sinken Konflikte und Gewalt deutlich.

„Unsere Schulen leisten täglich enorme Integrationsarbeit. Lehrkräfte und pädagogisches Personal arbeiten daran, dass Kinder unabhängig von ihrer Herkunft gemeinsam lernen und aufwachsen. Wer einzelne Schulen politisch etikettieren will, erschwert genau diese Arbeit. Gewaltprävention gelingt nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Investitionen in Bildung und Unterstützungssysteme“, erklärt Reckeweg.

„Wenn wir über Gewalt an Schulen sprechen, müssen wir über Fachkräftemangel, Überlastung, psychosoziale Folgen von Krisen und über ungleiche Bildungschancen reden“, so Reckeweg weiter. „Wer stattdessen Migration zum Hauptproblem erklärt, lenkt von den eigentlichen Herausforderungen ab – und trägt nichts zur Lösung bei.“ Wer an Lösungen interessiert sei, frage nicht bloß nach dem Migrationshintergrund. Die AfD entlarve ihre Geisteshaltung selbst – und das bereits in ihrer ersten Anfrage im Schulausschuss.

„Wir stehen für eine Schule, die alle Kinder schützt und fördert“, sagt Reckeweg. „Und wir stellen uns im Schul- und Bildungsausschuss entschlossen gegen jede Form von pauschalisierender oder diskriminierender Darstellung.“ Erklärtes Ziel bleibe eine inklusive, sichere und chancengerechte Schule für alle Kinder – unabhängig von Herkunft oder Pass.