Kinder /JugendVerwaltung

Kinderbetreuung: Der Notruf der Eltern wird nicht gehört

Dr. Gerd Brenner

Der Jugendhilfeausschuss  hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit den Ergebnissen einer Elternbefragung zum Kita-Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren befasst. Zu den aufschlussreichen Zahlen erklärt Dr. Gerd Brenner, jugendpolitischer Sprecher der Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen:
 

„Eine Präsentation der Verwaltung hat jetzt einen bemerkenswerten Mangel deutlich gemacht, der für viele Gladbacher Eltern schmerzlich ist: Für viele Kinder unter drei Jahren fehlen in der Stadt Kita-Plätze – trotz eines Rechtsanspruchs der Eltern auf einen solchen Platz. Zwischen Angebot und Nachfrage klafft zurzeit eine große Lücke. Und die Ausbaupläne der Stadt sind bei Weitem nicht ambitioniert genug. Die Verwaltung hatte selbst eine Elternbefragung auf den Weg gebracht und legte jetzt die Ergebnisse vor. Wenn man dazu weitere Zahlen recherchiert, ergibt sich das folgende Bild:

• Am 1.8.2019 waren 38,9 Prozent aller Mönchengladbacher Kinder unter drei Jahren mit einem Betreuungsplatz versorgt.
• Im Kita-Jahr 2020/21 strebt die Verwaltung eine Versorgungsquote von 45 Prozent und bis zum Kindergartenjahr 2022/23 eine Quote von 49,7 Prozent an; ob diese Quoten tatsächlich erreichbar sind, bleibt fraglich. Die Stadt blieb in den letzten Jahren immer wieder hinter ihren selbstgesteckten Ausbauzielen zurück.
• Auf dem Kita-Navigator der Stadt waren vor kurzem 55,9 Prozent der Kinder unter drei Jahren von ihren Eltern für eine Kita angemeldet. Betrachtet man die Zahlen im Zusammenhang, dann ergibt sich aktuell eine erhebliche Lücke zwischen Bedarf und Angebot.
• Noch weit größer wird die Versorgungslücke, wenn man den Elternbedarf zugrunde legt, der vom Deutschen Jugendinstitut (DJI), dem zentralen deutschen Forschungsinstitut für den Kinder- und Jugendbereich, ermittelt wurde. Danach brauchen in Deutschland 71 Prozent aller Eltern mit einem Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz in einer Kita.  

Der vom Ausschuss jetzt mehrheitlich gefasste Beschluss zu der Frage, wie mit der Unterversorgung in Mönchengladbach umgegangen werden soll, bietet den akut betroffenen Eltern leider keine schnelle Lösung ihrer Probleme. Familie und Beruf werden viele Eltern weiterhin nicht vereinbaren können. Laut der aktuellen Umfrage der Verwaltung sagen denn auch 40,7 Prozent der Eltern von U3-Kindern in Mönchengladbach, dass die Versorgung mit Kita-Plätzen für sie nicht ausreichend sei. Das ist ein klarer Notruf der Eltern. Mit dem jetzt von der Politik mehrheitlich beschlossenen Weg kommt die Lösung dieser Elternprobleme nicht schnell und nicht umfassend genug voran. Der Schwarze Peter liegt aber eher nicht bei der Verwaltung, sondern bei denjenigen, die finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen für den notwendigen Kita-Ausbau viel zu eng gesetzt haben.“

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