Familien brauchen Klarheit über Betreuung, Sanierung und Kitaplätze angesichts geplanter Schließung des Familienzentrums
Mönchengladbach. Die geplante mehrmonatige Schließung des Familienzentrums Hülserkamp in Lürrip wirft aus Sicht der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksvertretung Ost etliche Fragen auf. Nach aktuellem Informationsstand soll die Einrichtung von Mitte August bis voraussichtlich Mitte Dezember 2026 vollständig geschlossen und die verbleibenden Gruppen in der Containereinrichtung Am Beekerkamp untergebracht werden. Dabei wurde das Familienzentrum Hülserkamp erst im Frühjahr 2021 eröffnet.
Bereits im Herbst vor fünf Jahren musste dort nach einem Wasserschaden infolge eines Starkregenereignisses und anschließender Schimmelbildung das komplette Erdgeschoss geschlossen werden. Noch im Januar 2026 wurde der Bezirksvertretung Ost auf Nachfrage mitgeteilt, eine Sanierung sei im laufenden Betrieb ohne vollständige Schließung vorgesehen. Am 16. Juni stellte Karsten Daskalakis, Grünen-Fraktions-sprecher in der BV Ost, deshalb eine schriftliche Anfrage zur nun offenbar doch geplanten vollständigen Schließung, deren Dauer und der Betreuung der betroffenen Kinder.
Eine Antwort auf diese Anfrage liegt bis heute nicht vor. Auch auf weitere schriftliche Nachfragen an das Gebäudemanagement Mönchengladbach und das zuständige Dezernat – unter anderem mit der Bitte, sich einer Begehung der Sanierungsmaßnahmen anschließen zu können – gab es bislang keine inhaltliche Rückmeldung.
„Ich habe Verständnis für die angespannte Personalsituation in Teilen der Verwaltung. Gleichzeitig brauchen Familien, Beschäftigte und auch die Bezirkspolitik frühzeitig verlässliche Informationen. Wenn sich mitgeteilte Planungen grundlegend ändern, wünsche ich mir eine offene Erklärung der Gründe. Familien brauchen Planungs-sicherheit und wir als gewählte Vertreterinnen und Vertreter belastbare Informationen für unsere politische Arbeit“, erklärt Daskalakis.
Ein weiteres Anliegen der Grünen ist der klimaangepasste Gesundheitsschutz: „Mit den zunehmend heißen Sommern beschäftigt viele Familien die Frage, wie ihre Kinder in den Einrichtungen bestmöglich geschützt werden. Uns ist zugleich die Gesundheit der Beschäftigten wichtig, die täglich viele Stunden dort arbeiten. Eine umfangreiche Sanierung sollte deshalb die Chance nutzen, Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung und insbesondere zum Hitzeschutz mitzudenken.“
Besonders bewegt die Grünen, welche Folgen die Schließung für all jene Familien hat, die dringend einen Betreuungsplatz benötigen.
Durch den sanierungsbedingten Umzug der Gruppen aus dem Hülserkamp zum Beekerkamp könnten nach derzeitiger Einschätzung der Grünen bis zum Abschluss der Sanierung für das Kitajahr 2026/2027 Neuaufnahmekapazitäten im Umfang von rund drei Gruppen fehlen. Zugleich weist die aktuelle städtische Kindergartenbedarfsplanung bereits auf Versorgungslücken im Bezirk Ost für das Kitajahr
2027/2028 hin. Verzögerungen bei den geplanten Einrichtungen im Bereich REME und Seestadt sowie der Abbau der Containermodule Am Beekerkamp im Sommer 2027 erhöhen aus Sicht der Grünen den Handlungsdruck zusätzlich.
„Mir bereitet große Sorge, was diese Entwicklung für Familien bedeutet, die auf einen Kitaplatz angewiesen sind“, erklärt die grüne Bezirksvertreterin Imke Schubert. „Hinter jedem fehlenden Platz steht eine Familie, die Betreuung, Arbeit und Alltag organisieren muss.
Deshalb wünschen wir uns eine klare Antwort darauf, wie die Stadt die jetzt und künftig fehlenden Plätze auffangen und möglichst wohnortnahe Lösungen ermöglichen will. Nicht jede Familie hat ein Auto oder kann zusätzliche Wege quer durch die Stadt organisieren. Wohnortnahe Betreuung ist deshalb auch eine Frage sozialer Teilhabe.“
Nach Angaben des Gebäudemanagements sind für die Sanierung der Feuchteschäden im Erdgeschoss des Familienzentrums 500.000 Euro im Haushalt veranschlagt. Die Grünen wünschen sich Transparenz darüber, ob dieser Betrag angesichts des aktuellen Planungsstands weiterhin ausreicht oder ob mit zusätzlichen Kosten zu rechnen ist. Schließlich geht es um öffentliche Mittel und einen nachvollziehbaren Umgang mit Steuergeldern. „Unser Wunsch ist, dass die Sanierung am Ende nicht nur die Feuchteschäden beseitigt, sondern Kindern, Familien und Beschäftigten dauerhaft bessere Bedingungen bietet – mit verlässlicher Betreuung, einem gesunden Raumklima und einer offenen Kommunikation während des gesamten Prozesses“, so Imke Schubert.