Theodor-Heuss-Straße: Neue Brücke ist schlechte Lösung, da nicht barrierefrei

Einige Bevölkerungsgruppen von der Benutzung ausgeschlossen

Mönchengladbach. Die neue Ersatzbrücke an der Theodor-Heuss-Straße ist fertiggestellt, doch für die grüne Fraktion im Stadtrat ist das Ergebnis schlichtweg ungenügend: Die Brücke wurde mit drei Monaten Verspätung errichtet und ist – entgegen den Bedürfnissen einer inklusiven Stadtplanung – nicht barrierefrei. Rollstuhl- und Fahrradfahrer, Menschen mit Rollatoren sowie Eltern mit Kinderwagen sind weiterhin von der Brückennutzung ausgeschlossen und müssen weite Umwege in Kauf nehmen.

„Es ist absolut unverständlich, dass im Jahr 2026 eine Lösung realisiert wird, die ganze Bevölkerungsgruppen systematisch ausschließt“, kritisiert Melissa Kunkel-Laws, Sprecherin der grünen Fraktion im Ausschuss für Umwelt und Mobilität (AUM). „Die mangelnde Barrierefreiheit zeigt deutlich, dass hier erneut die falsche Priorität gesetzt wurde. Wir fordern weiterhin die Installation einer Bedarfsampel in Kombination mit einer legalen Bahnquerung nach §11 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Eine solche Lösung wäre nicht nur kostengünstiger für die Steuerzahler, sondern würde allen Menschen – unabhängig von ihrer Mobilität – einen sicheren Weg ermöglichen.“

Hintergrund: Die Grünen hatten im Dezember 2025 im Stadtrat beantragt, nach Abriss der alten Brücke eine Behelfs-Bedarfs-Fußgängerampel errichten zu lassen, die die sichere und barrierefreie Überquerung der Theodor-Heuss-Straße ermöglicht. Die Fraktionen von CDU, SPD und AfD hatten dies jedoch mehrheitlich abgelehnt. Die grünen Fraktionsmitglieder betonen jetzt, dass die Befürchtungen der Stadtverwaltung und der politischen Mehrheit, eine Ampellösung würde den Verkehrsfluss massiv beeinträchtigen, sich in der Praxis nicht bewahrheitet haben. Stattdessen wurde ein teures Bauwerk geschaffen, das den Anspruch an moderne Mobilität verfehlt.

Andreas Wigan, grünes Mitglied im AUM und Kandidat für die Landtagswahl 2027, ergänzt: „Sicherheit und Barrierefreiheit dürfen nicht hinter dem Ideal einer ‚Grünen Welle‘ für den Autoverkehr zurückstehen. Dass wir heute über eine Brücke sprechen, die für viele unpassierbar ist, beweist, dass wir in Mönchengladbach mutigere Entscheidungen bei der Verkehrsplanung brauchen. Wir werden uns nicht damit zufriedengeben, dass z.B. Menschen mit Beeinträchtigungen an einer Brücke scheitern. Die Stadtverwaltung muss nun endlich die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn forciert vorantreiben, um eine echte, für alle zugängliche Querungslösung zu schaffen.“

„Auf eine teure neue Fußgängerbrücke mit erheblichen jährlichen Unterhaltungskosten und einem provisorischen Ersatzbau könnte im Sinne der Steuerzahler verzichtet werden“, hatten die Grünen im Dezember 2025 in ihrem Antrag noch argumentiert. Leider ist es anders gekommen.