Informativer Waldspaziergang im Hoppbruch

Förster Werner Stops führt durch einen der artenreichsten Mischwälder der Region

Mönchengladbach. Bei einem gemeinsamen Waldspaziergang im bei vielen Spaziergängern beliebten Naturschutzgebietes „Haus Horst“ gewährte mags-Revierförster Werner Stops einen Blick in seine Arbeit und zeigte einer Gruppe Interessierter von Bündnis 90/Die Grünen Zusammenhänge nachhaltiger Forstwirtschaft in der Region und speziell um „Haus Horst“ in Giesenkirchen herum. Die fast 127 Hektar großen Waldflächen des „Hoppbruch“ rund um das Wasserschloss „Haus Horst“ reichen bis zur Stadtgrenze. Seit dem Mittelalter ist das waldreiche, feuchte Gebiet zunächst als Rittersitz mit Ländereien und seit 1950 in städtischer Verantwortung genutzt und gepflegt worden. Buchen, Eichen, Ahorne und wertvolle Vogelkirschen prägen hier das Bild teils Jahrhunderte alten Laubmischwalds. Darunter finden sich wahre Naturdenkmäler: Drei Eichen zählen bis zu 600 Jahre, eine Stiel-Eiche mit geborstenem Ast steht als sogenannter „Methusalem-Baum“ unter besonderem Schutz. Auch seltene krautige Pflanzen wie das Salomonsiegel und eine vielfältige Vogelwelt machen den Wald zu einem ökologisch bedeutsamen und schützenswerten Lebensraum.

Wie Werner Stops erläuterte, sei Forstwirtschaft hier keineswegs ein rücksichtsloser Holzeinschlag. Vielmehr stehen gezielte Pflegemaßnahmen im Vordergrund: Damit wertvolle Altbäume genug Kronenraum zur Entfaltung haben, werden konkurrierende Bäume behutsam entnommen. Gründe für eine Fällung sind erkrankte Bäume – etwa solche mit Krebs- oder Pilzbefall – aber auch Wegesicherung und Verjüngung des Waldes. Die Bäume, die gefällt werden müssen, sind an Markierungen wie „F“ oder einem Schrägstrich zu erkennen. Um die empfindlichen Waldböden zu schonen, wird zunehmend auf den Einsatz von Rückepferden gesetzt, die schwere Forstmaschinen ersetzen und so Bodenverdichtung vermeiden.

Förster Stops betonte die Bedeutung eines ausgewogenen Waldgefüges: Nicht nur mächtige Altbäume, sondern auch aktive Verjüngung seien entscheidend – etwa als Deckung und Nahrungsquelle für heimisches Wild wie Rehe. Und auch die Rotbuche, die „Mutter des Waldes“, die unter natürlichen Bedingungen weite Teile Mitteleuropas bewalden würde, muss mitunter kontrolliert entnommen werden, um anderen Arten Raum und Licht zu geben. Nur ein strukturreicher Wald sei langfristig stabil, so Stops.

Alle zehn Jahre wird durch ein Forsteinrichtungswerk der Gesamtbestand vor Ort erhoben. Das Ergebnis entscheidet, wie viel Holz nachhaltig genutzt werden darf. Im Schnitt wächst der Wald um sechs Festmeter Holzvolumen pro Jahr Hektar zu; „mags“, die unter anderem auch die für die Wälder und Baumbestände von Mönchengladbach und Umgebung zuständig ist, darf davon drei Festmeter pro Jahr und Hektar wirtschaftlich nutzen – der Holzvorrat in der „Vitusstadt“ wächst also erfreulicherweise kontinuierlich.

Der ökologische Wert von Wäldern in Zeiten des Klimawandels ist bedeutend: Wälder kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung, geben Schatten und schützen Tier- und Pflanzenwelt sowie Menschen vor Hitzestress. Stadtnahe Wälder wie der „Hoppbruch“ sind daher als „grüne Kältequellen“ für umliegende Besiedelung besonders wertvoll. Daneben speichert der Waldboden Regenwasser wie ein Schwamm und puffert Starkregen ab. Der „Hoppbruch“ zählt als Bruchlandschaft zu den Feuchtwäldern, mithin hat er eine besonders hohe feuchtigkeits-regulierende Funktion: Totholz, Altbäume und feuchte Senken bieten Nischen für allerlei auch seltene Arten (Insekten, Vögel, Fledermäuse oder Pilze – vor Ort aktiv gefördert in Kooperation mit dem Naturschutzbund NABU). Nicht alles läuft dabei ohne Verluste, wie Stops erläuterte: Auch wenn das Gebiet um „Haus Horst“ durch die Bruchlandschaft noch eine gute Grundversorgung an Wasser hat, gehe der Klimawandel nicht spurlos an ihm vorbei. Die Eschen im Bestand sind zum Beispiel aktuell von einer Pilzerkrankung betroffen, wofür sie als Monokultur besonders anfällig sind. Betroffene Bäume müssen schrittweise gefällt werden. Im „Hoppbruch“ soll zudem ein rund einen Hektar großer Pappelbestand entnommen werden. Die Pappeln wurden nach dem Krieg zur schnellen Bewaldung gepflanzt und sind nun überaltert und von Misteln befallen. An ihre Stelle soll ein standortgerechter, artenreicher Laubmischwald treten.

Angesichts des Klimawandels mit Hitze- und Trockenstress wird laut Werner Stops auf speziellen Standorten auch schonend der sogenannte „Fremdländeranbau“ erprobt: Douglasie, Roteiche und Robinie sind Baumarten, die mit trockeneren und wärmeren Bedingungen besser zurechtkommen könnten. Sie werden erprobungsweise angepflanzt. Gleichzeitig ist geplant, Walnuss, Schwarznuss und Esskastanie neu anzusiedeln, um eine genetische Vielfalt und damit klimaresiliente Bestände anzulegen.

Wichtig ist Werner Stops der Hinweis darauf, dass alle Interessierten das vielfältige Ökosystem rund um „Haus Horst“ auch eigenständig erkunden und ihr Wissen ausbauen können: Ein Waldlehrpfad mit 15 Stationen führt durch den Mischwald und macht die biologischen und forstwirtschaftlichen Zusammenhänge für alte und junge Interessierte erlebbar. Auf diese Weise wird ein Bewusstsein geschaffen für den Wert der Wälder und des Naturschutzes.

Die Mönchengladbacher Grünen bedankten sich bei Werner Stops für den spannenden und kurzweiligen Vortrag zu einem der schönsten zusammenhängenden Waldgebiete der Stadt.

Die Markierung mit dem roten Schrägstrich zeigt, dass dieser Baum gefällt werden muss.
Waldlehrpfad mit 15 Stationen: mags-Revierförster Werner Stops ist es wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen für den Wert der heimischen Wälder. Fotos: Grüne MG