Mönchengladbach. Die schnelle Antwort der Stadtverwaltung in Person von Dezernatsleiter Sebastian Dreyer auf eine Anfrage von Karsten Daskalakis, Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksvertretung Ost, wirft grundlegende Fragen zum Hitzeschutz in Mönchengladbach auf. Die Stadt arbeitet derzeit an einer digitalen „Karte der kühlen Orte“. Für den Stadtbezirk Ost bestehen darüberhinausgehend derzeit nach Auskunft des Dezernats keine Planungen für umfassend barrierefreie und technisch temperierbare Abkühlorte.
„Eine Karte ist kein geplanter Ort“, sagt Daskalakis. „Wer an einem heißen Sommertag Schutz vor extremer Hitze sucht, braucht tatsächlich erreichbare, barrierefreie Aufenthaltsorte – möglichst mit kostenfreiem Trinkwasser, Toiletten und dort, wo es möglich ist, auch technisch temperierten Innenräumen.“ Besonders kritisch sieht Daskalakis, dass die Stadt in ihrer Antwort auf das Handlungskonzept Klimafolgen-anpassung Hitze verweist, gleichzeitig aber einräumt, dass entsprechende Schutzorte derzeit nicht geplant sind. Dabei handelt es sich nicht um ein unverbindliches Gutachten, sondern um eine vom Rat beschlossene Handlungsgrundlage für die kommunale Klimafolgenanpassung. Das Handlungskonzept benennt ausdrücklich sogenannte vulnerable Gruppen – also Menschen, die durch extreme Hitze besonders gefährdet sind oder sich nicht immer ausreichend selbst schützen können. Dazu zählen unter anderem ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderungen, chronisch Erkrankte und Pflegebedürftige. „Wenn die Stadt diese besondere Gefährdung in ihrem eigenen Handlungskonzept anerkennt, stellt sich umso mehr die Frage, warum es bislang weder entsprechende barrierefreie Abkühlorte gibt noch deren Einrichtung geplant ist“, so Daskalakis. „Wo kann sich eine ältere Frau mit Rollator, ein Vater mit Kleinkind oder ein Mensch im Rollstuhl im Stadtbezirk Ost an einem 38-Grad-Tag tatsächlich aufhalten und abkühlen?“ Darauf gebe die Verwaltung in ihrem Antwortschreiben leider bisher keine Auskunft.
„Wir können nicht erst anfangen, Schutzinfrastruktur zu planen, wenn die nächste extreme Hitzewelle angekündigt wird“, betont Daskalakis. „Die Planung barrierefreier Abkühlorte sollte deshalb zur dezernatsübergreifenden Priorität der Stadtspitze werden. Klimafolgenanpassung ist eine Querschnittsaufgabe. Umwelt, Gebäudemanagement, Soziales, Gesundheit, Feuerwehr, Sport und Kultur müssen gemeinsam dafür sorgen, dass in allen Stadtbezirken echte Schutzorte entstehen.“ Als geeignete Standorte könnten wohnortnah unter anderem Familienzentren in Kitas, Grundschulfamilien-zentren, Turnhallen und andere öffentliche Gebäude dienen, die bei längeren Hitzeperioden als barrierefreie Klimaorte genutzt werden könnten. Dabei muss nicht überall neu gebaut werden: Auch die Prüfung und gezielte Ertüchtigung vorhandener Gebäude kann Teil einer stadtweiten Schutzstrategie sein.
Begleitet wird die Forderung nach barrierefreien Abkühlorten von einem Appell an Unternehmen, Gastronomiebetriebe, Arztpraxen, Kirchengemeinden, Vereine und Initiativen im Stadtbezirk Ost, sich als Refill-Station zur Verfügung zu stellen oder dem Netzwerk beizutreten. Refill bedeutet, dass Menschen ihre mitgebrachten Trinkflaschen kostenlos mit Leitungswasser auffüllen können. Jeder zusätzliche Trinkwasserstandort kann an heißen Tagen einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten. Nach Auskunft der Stadtverwaltung gibt es im Stadtbezirk Ost bislang keine registrierte Refill-Station.
Das Thema reicht dabei weit über den Stadtbezirk Ost hinaus. Zusätzliche Dringlichkeit erhält die kommunale Klimaanpassung durch aktuelle Entwicklungen: Nach einer aktuellen Prognose des britischen Wetterdienstes Met Office zeichnet sich ein außergewöhnlich starker El Niño ab. Der britische Klimaexperte Bill McGuire hält es deshalb für wahrscheinlich, dass 2027 weltweit das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte und „dass der Welt ein Höllenritt bevorsteht“*. Für Zentraleuropa lassen sich daraus zwar keine konkreten Temperaturen für den kommenden Sommer ableiten, die Entwicklung unterstreicht jedoch den langfristigen Handlungsdruck durch eine sich weiter erwärmende Welt. „Der aktuelle Hitzesommer und die damit verbundenen Todesfälle zeigen, dass wir uns nicht mehr nur auf Ausnahmeereignisse vorbereiten, sondern auf eine neue Realität“, so Daskalakis abschließend. „Echter Hitzeschutz beginnt dort, wo Menschen im Alltag barrierefrei und verlässlich Schutz finden. Und mit der Vorbereitung darauf dürfen wir nicht bis zum nächsten Hitzesommer warten.“