Mönchengladbach. Wärmegrade weit über 30 Grad in Mönchengladbach – und das seit Tagen: Angesichts steigender Temperaturen und zunehmender Hitzeperioden fordern die Fraktionen von Die Linke/Die PARTEI sowie Bündnis 90/Die Grünen von der Stadtverwaltung ein entschiedenes Handeln. Mit einem gemeinsamen Antrag setzen sich beide Fraktionen für den Ausbau und die Sichtbarmachung von „Kühlen Orten“ sowie für einen verbesserten Zugang zu kostenlosem Trinkwasser im gesamten Stadtgebiet ein, um die Gesundheit der Bevölkerung insbesondere in heißen Sommern wie jetzt zu schützen.
Zentrales Anliegen des Antrags ist die Erstellung eines stadtweiten Verzeichnisses öffentlich zugänglicher „Kühler Orte“. Neben Verwaltungsgebäuden, Bibliotheken und Stadtteilhäusern sollen auch Kooperationen mit privaten Akteuren wie Apotheken oder Gastronomiebetrieben geprüft werden. Besonders wichtig ist dabei die Barrierefreiheit: Menschen mit Mobilitäts- oder gesundheitlichen Einschränkungen müssen diese Orte niederschwellig erreichen und nutzen können. Eine digitale Karte sowie mobile Informationsangebote sollen die Bürgerinnen und Bürger schnell zu diesen Rückzugsorten leiten.
Parallel zum Ausbau der kühlen Orte fordern die Fraktionen eine deutliche Verbesserung der Trinkwasserinfrastruktur. Dies umfasst nicht nur die bessere Beschilderung bestehender Spender, sondern auch den Aufbau eines Netzes kostenloser Wasser-Nachfüllstationen im gesamten Stadtgebiet. „Die Versorgung mit Wasser an heißen Tagen darf kein Glücksspiel sein, sondern muss systematisch und barrierefrei organisiert werden“, fordert Sebastian Merkens, Fraktionsvorsitzender der Linken Mönchengladbach.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schutz vulnerabler Personengruppen, wie älteren Menschen, Kindern, chronisch Kranken und wohnungslosen Menschen. In Zusammenarbeit mit sozialen Trägern und Gesundheitsdiensten sollen gezielte Informations- und Beratungsangebote entwickelt werden. Ziel ist es, hitzebedingte Notfälle und die damit verbundene Belastung des Rettungsdienstes und der Krankenhäuser durch präventive Maßnahmen zu reduzieren. „Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz. Wir müssen das bestehende Konzept ‚Klimafolgenanpassung – Hitze 2025‘ jetzt in die praktische, alltagsnahe Umsetzung bringen, damit niemand in unserer Stadt der extremen Hitze schutzlos ausgeliefert ist“, betont Melissa Kunkel-Laws, grüne Fraktionssprecherin. „Es geht um soziale Gerechtigkeit im Stadtraum. Jeder Mensch – unabhängig von seinem Einkommen oder seiner Mobilität – muss Zugang zu kühlenden Orten und Trinkwasser haben“, ergänzt Sebastian Merkens.
Da extreme Hitzeereignisse bereits immer früher im Jahr auftreten, fordern die Fraktionen eine kurzfristige Umsetzung der Maßnahmen, idealerweise noch während der jetzt beginnenden Sommerperiode 2026. „Dies betrifft insbesondere die digitale Sichtbarmachung vorhandener Angebote und den Start der Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Dr. Boris Wolkowski. Die Verwaltung, so der der grüne Fraktions-Co-Sprecher weiter, solle zudem jährlich über die Fortschritte und die gesundheitlichen Auswirkungen der Hitzeperioden berichten, um das Konzept kontinuierlich an neue klimatische Entwicklungen anzupassen.
Über den gemeinsamen Fraktionsantrag entscheidet der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 15. Juli 2026.